Wie hoch sind Pachten nach Covid?

Wie hoch sind Pachten nach Covid?

Diese Situation ist keine Einbahnstraße, jeder muss etwas auf den Tisch bringen“, sagte Bettina Gräf-Parker, Head of Hotel Properties bei der Aareal Bank, bei einem vom Beratungsunternehmen EY initiierten Webinar zum Thema: „Hotels nach Covid 19: Ist eine Neuausrichtung der Interessengruppen unvermeidlich?“ So könne man während der Krise beispielsweise über eine Art Entlastung bei den Zinszahlungen nachdenken. Eine pauschale Vorgehensweise, wie sich Eigentümer und Betreiber den Schaden der entgangenen Einnahmen aufteilen, halten die Investoren eher für ausgeschlossen.

Am Ende des Tages wolle man eine positive Cash-Situation erreichen und genau wissen, wie das Geld zurückkommen werde und wie lange dies dauere. Der Shutdown sei sehr schnell gekommen, nun versuche man einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten zu überblicken. Und selbstverständlich hingen die Lösungen auch von den Märkten ab. Die meisten Experten gehen aktuell davon aus, dass sich deutsche Resorts oder Budgethotels vermutlich schneller erholen, Mice- und Flughafenhotels aber erst später. Eine gewisse Verwunderung äußerten sowohl Frank Hildwein, Head of Hotel Acquisitions and Sales bei Deka Immobilien, als auch Gräf-Parker über die Tatsache, dass einige Betreiber bereits in Woche 1 des Shutdown um kompletten Pachtverzicht oder Stundung von Kreditrückzahlungen gebeten hätten, nach zehn Jahren guter Geschäfte.

Doch wie wird sich diese Krise auf die Zukunft von Hotelimmobilien auswirken, wird es weiter Investoren geben und welche Betreiber werden Covid 19 überleben? Hildweins erste Priorität liegt derzeit darauf, mit den Pächtern zu verhandeln und sich um das bestehende Portfolio zu kümmern. „An zweiter Stelle sind wir aber auch auf der Suche nach neuen Investitionsmöglichkeiten“, unterstrich er. Wobei das Post-Covid-Pachtniveau sehr schwer vorherzusehen sei. Wer jetzt ein neues Hotel eröffne, tue dies ohne wirkliche Belegung, so Hildwein. Daher sei es undenkbar, in diesem Fall die volle Miete zu bezahlen und noch sei unklar, wann dies der Fall sein könnte. Der Frankfurter Flughafen beispielsweise gehe zurzeit davon aus, selbst 2021 im Vergleich zu 2019 nur zu 50 Prozent ausgelastet zu sein.

Was die künftige Vertragsgestaltung anbelange, so habe die Corona-Krise gelehrt, dass es noch schlimmer kommen könne als in der Finanzkrise 2008/09. Dies werde sich selbstverständlich auf weitere Verträge auswirken. Hildwein rechnet mit einer Konsolidierung auf der Betreiberseite. Pachtverträge künftig mit einer höheren Umsatzkomponente zu versehen sieht er kritisch, da dies die Preisgestaltung der Immobilien erschwere.Susanne Stauß