Was die Branche braucht

Was die Branche braucht

Wir müssen auch wieder einchecken“, fordert ZIA-Präsident Andreas Mattner. Der Zentrale Immobilien Ausschuss ZIA, der Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, hat deshalb ein detailliertes Positionspapier entwickelt, das den Titel „Hotelimmobilien in – und der Weg aus der Krise“ trägt. Vorgestellt wurde es von Mattner, flankiert vom Vorsitzenden des ZIA-Ausschusses Hotelimmobilien Olaf Steinhage und Motel-One-Chef Dieter Müller.

„Es braucht auch hier eine interdisziplinäre Expertenkommission, in der neben den Virologen und Vertretern aus der Hotel- und Gastronomiebranche auch Immobilienverbände mit dem Schwerpunkt Hotelimmobilien sowie Unternehmen aus den Bereichen Entwicklung, Management und Investment in diesem Segment zu Wort kommen“, fordert Mattner. „Nur, wenn wir alle gemeinsam an einem Tisch sitzen und die Perspektive des Marktes ausreichend abgebildet wird, können vernünftige und wirtschaftlich sinnvolle Lösungen erarbeitet werden.“

Perspektive für den Restart geben

Und Olaf Steinhage erklärte: „Wir verstehen, dass es um Gesundheit und Leben geht, aber wir brauchen auch Perspektiven.“ Hotelimmobilien befänden sich zudem nicht nur in institutioneller Hand, sondern sicherten häufig auch in dritter oder vierter Generation die Existenzen von Familien. Er unterstrich auch, dass nach dem verlorenen Ostergeschäft eine diskutierte Verkürzung der Sommerferien eine erhebliche zusätzliche Belastung für zahlreiche Unternehmen aus dem Gastgewerbe sei. „Eine Verkürzung ist nicht sinnvoll, denn es sind gerade die Ferienzeiten, die durchschnittlich zu einem Umsatzplus von bis zu 20 Prozent führen – das gilt auch für die Tage rund um Pfingsten,“ so Steinhage.

Die Kernforderungen des ZIA für Hotels lauten folgendermaßen: Zur Sicherung ihrer Existenz müssen Hotels unter Berücksichtigung von Schutz- und Hygienemaßnahmen und den geltenden Reisebeschränkungen ihren Betrieb wiederaufnehmen dürfen. Bei einer Reform der Kurzarbeitergeldverordnung sollte der Kompensationssatz für Kurzarbeitende zudem an definierten Einkommensgruppen orientiert werden. Das Modell in Österreich hat sich laut ZIA bewährt, wo eine Staffelung von 90 Prozent, 85 Prozent und 80 Prozent je nach Einkommensgruppe gilt – je geringer das Einkommen, desto höher der Erstattungssatz.

Bei fehlender Liquidität durch den Wegfall von Einnahmen brauchen Unternehmen auch aus dem Hotelbereich rasche Unterstützung, um ihrerseits bestehende Verbindlichkeiten bedienen und den Fortbestand des Betriebs sichern zu können. Daher schlägt der ZIA etwa die Erweiterung finanzieller Hilfsprogramme um Bürgschaften oder die Aufstockung von Städtebauförderungsmitteln vor. Zudem müssten die Förderkriterien der KfW-Förderprogramme so gestaltet werden, dass Liquidität dort ankommt, wo der Zahlungsstrom in der Kette der Leistungsbeziehung durch den Shutdown gestört ist. In der Immobilienwirtschaft ist das derzeit vornehmlich zwischen dem Mieter und dem Unternehmen, das die Immobilie verwaltet. Daher sollte die KfW die Unternehmerkredite auf alle Formen unternehmerischer Tätigkeit erstrecken und insbesondere Objektgesellschaften und Investmentvermögen erfassen, welche nach derzeitigem Stand von den KfW-Programmen ausgeschlossen sind.S

Steuerliche Maßnahmen für die Liquidität

Auch durch steuerliche Maßnahmen kann die Liquidität der betroffenen Unternehmen gesteigert werden. So regt der ZIA zum einen an, dass bei einer Stundung das Vorsteuerpotenzial weiterhin genutzt werden kann. Zum anderen sollten den besonders betroffenen Hotelbetrieben aufgrund der gravierenden Ausfälle von Einnahmen die gestundete Umsatzsteuer in Teilen auch erlassen werden. Darüber hinaus begrüßt der Verband die aktuellen Überlegungen zur Verlustverrechnung. Hotelbetriebe sollten die Möglichkeit haben, ihre prognostizierten Verluste für das Jahr 2020 bereits jetzt – und nicht erst die tatsächlichen Verluste im Rahmen der Steuererklärung im Jahr 2021 – steuermindernd geltend zu machen. Durch die hierdurch vorgezogenen Steuerrückzahlungen würde ein Liquiditätszufluss für die Unternehmen generiert.

Motel-One-CEO Müller betonte bei der Präsentation die Fähigkeit seiner Branche, alle geforderten Hygienemaßnahmen umsetzen zu können. „Auch und gerade im Hotelbereich sind strenge Hygienevorschriften nicht erst seit Corona an der Tagesordnung. Maßnahmen wie Zugangsbeschränkungen zur Lobby und den Restaurants oder die nochmals verstärkte Anwendung regelmäßiger Grundreinigungen können problemlos in die Tat umgesetzt werden. Die Konzepte stehen, wir haben für alles eine Lösung, auch für die Nutzung von Aufzügen oder die Vernebelung von Zimmern mit Desinfektionsmitteln“, unterstrich er.

Susanne Stauß