Mieter und Vermieter in Not

Mieter und Vermieter in Not

Handel, Gastronomie und Hotellerie leiden weiterhin enorm unter Corona bedingten Umsatzeinbußen und werden ihre Mieten über einen längeren Zeitraum hinweg nicht komplett begleichen können. Im Hotel- und Gastgewerbe wird bis Ende Mai laut dem Zentralen Immobilien Ausschuss ZIA mit 18 Mrd. Euro Umsatzverlust gerechnet, 70.000 gastgewerbliche Betriebe und 50.000 Handelsbetriebe sind existenzgefährdet – die Vermieterseite hat 70 Prozent der Mieten zum Vorjahreswert verloren.

Der Verband hat nun dem Bundesfinanzministerium folgenden Vorschlag unterbreitet: Vermieter können den Mietern auf Basis einer einvernehmlichen, partnerschaftlichen Vereinbarung bis zu 50 Prozent der monatlichen Miete erlassen. Die entfallenen Einnahmen des Vermieters werden dann zu 50 Prozent von der öffentlichen Hand in Form von Zuwendungen unterstützt. Das heißt: Der Mieter zahlt nur mindestens 50 Prozent der Miete, der Vermieter verzichtet auf bis zu 25 Prozent der Miete und erhält durch die staatliche Unterstützung insgesamt mindestens 75 Prozent der ursprünglichen Miete.

Hotels, Restaurants und Handel stark betroffen

Das Modell soll maximal bis zum 30.Juni 2021 für alle Vermieter und Mieter aller Branchen im stationären Einzelhandel, Gastronomie und Hotel gelten. Zudem soll die Maßnahme für jeden einzelnen Mietvertrag im stationären Einzelhandel oder im Hotel- und Gastgewerbe bis hin zu einer Höhe von maximal 800.000 Euro gelten.

„Die Vorschläge orientieren sich an ähnlichen, teilweise bereits umgesetzten Maßnahmen in Schweden, Tschechien und Kanada und werden auch in weiteren europäischen Ländern diskutiert“, sagte ZIA-Präsident Andreas Mattner. „Gerade zum Erhalt des Handels, der Hotellerie und der Gastronomie als wichtige Impulsgeber für eine lebendige Stadt ist es nicht nur aktuell, sondern auch in Zukunft wichtig, an einem gemeinsamen Strang zu ziehen. Wir hätten diesen Vorschlag vor vier Wochen noch nicht gemacht, aber die Lage hat sich dramatisch verändert.“

Trotz der bundesweit umgesetzten erweiterten Öffnung von stationären Einzelhandelsgeschäften verbessere sich die Situation für die Marktteilnehmer nicht schlagartig. „Die Kundenfrequenz liegt in den Innenstädten 50 bis 60 Prozent und in den Handelszentren nochmals weitere 10 Prozent unter dem Vorjahreswert, Tendenz auch noch sinkend. Das heißt: Einnahmen und Liquidität werden sowohl bei Mietern als auch Vermietern über einen deutlich längeren Zeitraum auf einem kritischen bis existenzgefährdenden niedrigen Niveau bleiben.“ Auch in der Hotellerie wird es lange dauern, bis das normale Gäste-Aufkommen wieder zu verzeichnen sein wird – zumal Reisekosten gespart und Konferenzen sowie Veranstaltungen digital abgehalten werden. Darüber hinaus hat der private Reiseverkehr aufgrund des hier anhaltenden Shutdown noch gar nicht begonnen.

Konsum wird wohl länger eingeschränkt

„Wir müssen ein bundeseinheitliches Programm für Mieter und Vermieter aufstellen“, fordert die Corona-Taskforce des ZIA. „Der Konsum wird lange eingeschränkt werden. Die Vermieter müssen aber Zins und Tilgung weiter tragen, teilweise Steuern auf nicht bezahlte Mieten bezahlen und ihre Immobilien in Stand halten.“ Auch Immobilieninvestoren seien in der aktuellen Lage höheren Belastungen ausgesetzt, in den Monaten März bis April erlebte die Branche in Handel und Gastronomie Mietausfälle von 70 Prozent. Auch Nebenkosten würden nicht bezahlt. Dabei seien diese sogar höher als sonst, etwa aufgrund der Hygienevorschriften. Jeder gewerbliche Vermieter investiere schon normalerweise 20 bis 30 Prozent seiner Einnahmen laufend in seine Objekte.

Sein Unternehmen werde an Großprojekten wie dem Überseequartier in Hamburg mit geplanter Eröffnung im Herbst 2022 festhalten, so Andreas Hohlmann, Managing Director von Unibail-Rodamco-Westfield Germany. Dabei handelt es sich um ein Mixed-Use-Projekt aus Handel, Wohnen, Entertainment, Hotels und Gastronomie: „Menschen werden auch in Zukunft zusammenkommen und belebte Plätze besuchen. Generell glauben alle daran, dass es bis dahin einen Impfstoff geben wird.“Susanne Stauß