Gestärkt aus der Krise

Gestärkt aus der Krise

Seit März ging es nicht nur bei den meisten Hoteliers, sondern auch bei den Apartment-Anbietern erst einmal bergab: Laut der jüngsten Erhebung des Dienstleisters und Beraters Apartmentservice aus Berlin von Ende Mai blickt die Serviced-Apartment-Branche zwar auf einen späteren Belegungsrückgang als die klassische Hotellerie zurück. Im Mai 2020 sank die Auslastung dann jedoch auf durchschnittlich 30 bis 40 Prozent, wohingegen sie im März zum Teil noch bei 70 Prozent gelegen hatte, im April bei durchschnittlich 40 bis 50 Prozent. Die klassische Hotellerie meldete Laut Fairmas und STR allerdings weitaus schlechtere Kennzahlen. So betrug die durchschnittliche Auslastung im Mai nur 13,5 Prozent.

Der Auslastungsrückgang bei den Apartments ist zum einen auf das massiv verminderte Reiseaufkommen vor allem im Geschäftsreisesegment – speziell die Abreise der Gäste nach klassischen Longstay-Aufenthalten – und zum anderen auf fehlende Neubuchungen beziehungsweise auf Stornierungen zurückzuführen. Auch im Mai waren, wie die ganze Krise hindurch, noch 70 Prozent der befragten Häuser weiterhin geöffnet.

„Die Situation ihres Unternehmens schätzen die meisten Anbieter jetzt mit der Note 4 bis 5 ein, im März war es noch die Note 3. Das Gros der Unternehmen gibt aber an, bis Ende des Jahres die wirtschaftliche Situation durchhalten zu können“, berichtet Anett Gregorius, Geschäftsführerin von Apartmentservice. Alle Akteure sähen im Serviced-Apartment-Konzept weiterhin große Vorteile gegenüber der noch stärker gebeutelten Hotellerie, vor allem hinsichtlich der Ausstattung mit einer Küche, der häufig größeren Fläche, den oft kontaktlosen Zugängen sowie den geringeren Betriebskosten durch weniger Personal und den weitgehenden Verzicht auf F&B-Angebote, Tagungs- und Wellnessflächen.

Hotels wollen gern Langzeitgäste abwerben

Das Segment hofft nun auf eine zügige Rückkehr der Geschäftsreisenden und kämpft gegen den Ratenverfall an. „Auch weil einige Hotelbetreiber versuchen, mit attraktiven Monatsraten die begehrten Langzeitgäste auf sich aufmerksam zu machen“, so Gregorius. Projekte seien nach ihren Recherchen bis Ende 2022 kaum verschoben oder abgesagt worden, viele von ihnen bereits weit fortgeschritten. Zudem fanden geplante Neueröffnungen statt, zum Beispiel in Leipzig im April von Brera Serviced Apartments und von Adapt Apartments Mitte Mai in Braunschweig. „Wir gehen davon aus, dass es einen gewissen ‚Corona-Knick‘ ab 2023 geben wird, gepaart mit Marktkonsolidierungen und Übernahmen, die dann auch verstärkt in das Segment der Serviced Apartments einziehen. Zugleich werden wir einen Anstieg von Longstay-Konzepten erleben, bedingt durch die robuste Nachfrage in diesem Bereich während der Coronakrise“, erläutert Gregorius.

Gut scheinen derzeit die Smartments-Business-Häuser von Projektentwickler und Betreiber GBI durch die Krise zu navigieren. Vor allem dort, wo sie zentral in A-Destinationen liegen. Ein Grund: Die Gruppe wirbt inzwischen verstärkt um Kurzzeitgäste. So meldet Geschäftsführer Burak Ünver für das Berliner Smartments Business City West für den Juni bereits eine gebuchte Auslastung von mehr als 80Prozent und hegt die Hoffnung auf eine volle Belegung. Das Smartments Business Hamburg an der Außenalster liege durch Vorbuchungen im Juni bei 60Prozent, die anderen Häuser hätten 50 Prozent im Blick.

„Der Anteil der Kurzzeitbuchungen mit einem Aufenthalt unter einer Woche steigt“, so Ünver. „Normalerweise verfolgen wir das Ziel, nie mehr als 5Prozent der Zimmer mit Kurzzeitgästen zu belegen. Derzeit bewegt sich dieser Anteil an allen Standorten bei bis zu 15 Prozent.“ Auch im weiteren Verlauf des Sommers rechnet der Manager nicht mit einem Rückgang. Speziell für diesen Zeitraum würden aktiv neue Zielgruppen wie Familien angesprochen, die mangels Alternativen Städtetouren planten, sich dabei aber gern selbst versorgen wollten. Diese Zielgruppe erreiche man über gezielte Google-Ads-Kampagnen.

„Wenn ich in der Vergangenheit bei Google ‚Städtereise Sommer Berlin‘, ‚Städtereise Familie‘ oder ‚Kurztrip München Zimmer mit Küche‘ eingegeben hätte, wäre ich niemals bei Smartments business gelandet. Jetzt sind die Standorte auch bei solchen Abfragen vermehrt sichtbar und abrufbar“, so Ünver. Der hohe Digitalisierungsgrad bei den Smartments Business ermögliche die leichte Organisation eines höheren Shortstay-Anteils, so Ünver. „Longstay bleibt weiter die Basis der Smartments Business. Aber jetzt helfen die anderen Gästegruppen, gut durch die Krise zu kommen. Und vielleicht entwickelt sich die ein oder andere spannende Möglichkeit für die Zukunft.“

Belegungsraten steigen wieder an

Belegungszuwächse erwarten die Adina Apartment Hotels. „Wir freuen uns sehr, dass wir nach langen Wochen der Einschränkungen jetzt auch wieder touristische Privatreisende begrüßen dürfen“, sagt Georgios Ganitis, Regional Manager Europa. „Die Lockerung schlägt sich nun auch in den Buchungen nieder. Da unsere Hotels stets geöffnet waren, haben sich neue Maßnahmen und Prozesse im Team bereits gut eingespielt, das schafft eine sichere Umgebung für Mitarbeiter und Reisende.“ Die durchschnittliche Belegung der von ihm betreuten Häuser sei im Mai auf 20 Prozent gesunken, im Juni werde bereits ein Anstieg auf rund 30 Prozent erwartet, Tendenz weiter steigend.

Im Gegensatz zu Adina war bei Adaggio, einer Tochtermarke von Accor und Pierre&Vacances, in Deutschland lediglich das Adaggio Access Hotel in München durchgehend geöffnet, die anderen Häuser waren bis 25. Mai geschlossen. „In München war die Belegung aufgrund des Longstay-Konzepts vergleichsweise zufriedenstellend“, berichtet Accor-PR-Managerin Anne Wahl. „Wie sich die Situation bis zum Jahresende entwickelt, ist schwer zu prognostizieren. Wir merken aber, dass viele Gäste derzeit Selbstverpflegung bevorzugen und daher unsere Infrastruktur entsprechend stark nachgefragt ist.“Susanne Stauß