Bauen trotz Corona

Bauen trotz Corona

Zwei hohe Kräne überragen das 4-Sterne-superior-Hotel Sackmann in Baiersbronn-Schwarzenberg im Schwarzwald. Möbelpacker schleppen schwere Sessel in die neue Lounge, Deckenleuchten werden montiert, Wandverkleidungen angeschraubt, das künftige Gourmet-Restaurant bekommt eine stoffverkleidete Decke. Im Erweiterungsteil am anderen Ende des Hotels wuchten die Kräne Wände in Fundamente, schwingt sich der Rohbau der entstehendenTerrasse elegant über das Flüsschen Murg, lässt ahnen, was dort entstehen soll. Das ganze Hotel scheint eine einzige Baustelle zu sein.

Die drei Geschäftsführer des Sackmann, Vater Jörg (58) und die Söhne Nico (31) und Daniel (29), sind voller Zuversicht. „Wir werden gestärkt in den Neustart gehen“, ist Daniel Sackmann überzeugt. Trotz Corona. Die Pandemie hat die grundlegende Erneuerung des Hotels gründlich durcheinander geschüttelt. Am 7. Januar wurde es geschlossen, am 21. März wollte man den ersten Bauabschnitt mit der Gastronomie eigentlich wieder eröffnen. „Ausgerechnet an diesem Tag wurde Deutschland stillgelegt“, blickt Nico Sackmann nach Wochen voller Ungewissheiten zurück.

Handwerker aus Österreich blieben weg

„Wir hätten es gut geschafft, wir lagen gut im Zeitplan“, sind Vater und Söhne überzeugt. Doch dann blieben Lieferanten und Handwerker aus Österreich – wo sich die Krise etwa 14 Tage früher als hierzulande bemerkbar machte – plötzlich aus. Auf der Baustelle, die bis dahin mit bis zu 60 einheimischen und auswärtigen Handwerker bevölkert war, machte sich Nervosität breit. Und schließlich mussten Hotellerie und Gastronomie den Betrieb einstellen.

Neues Etappenziel ist Freitag, der 15.Mai. „Dann ist alles fertig, kann der erste Bauabschnitt mit der neuen Küche und den neuen Restaurants eröffnet werden“, sind sich alle drei Sackmanns sicher. Fraglich war bei der Festsetzung nur, ob man bis dahin überhaupt für Gäste öffnen darf. Erst später kam die Entscheidung der Landesregierung Baden-Württemberg, dass ab dem 18. Mai die Bewirtung von Gästen vor Ort – unter Beachtung besonderer Schutzmaßnahmen – wieder möglich sein soll.

Zeitig wurden bei der Erneuerung von Küche und Restaurants Änderungen gegenüber der ursprünglichen Planung getroffen, um Auflagen und Vorschriften im Betrieb, die im Gespräch waren, berücksichtigen zu können. Die Familien Sackmann haben ein eigenes Handbuch für Gäste und Mitarbeiter geschrieben, das von der Eingangstür bis zu den Toiletten, von der Küche bis zum Housekeeping reicht und Hygiene, Abstandsregeln und Sicherheit nach den zu erwartenden gesetzlichen Auflagen regeln kann.

Moderner Schwarzwald für Jung und Alt

„Wir wollen den Schwarzwald modern und nachhaltig interpretieren mit seinen Regionen und Produkten wie Wald und Holz, Wasser, Glas und Kohle, Tiere und Pflanzen“, beschreibt Nico Sackmann die gemeinsame Zielrichtung des gesamten Erneuerungsprozesses, der bis Jahresende abgeschlossen sein soll. Während sein Vater auf das künftige Alleinstellungsmerkmal eines Hotels für junge und alte Gäste abhebt, bringt Sohn Daniel die Erwartungen aller auf den Punkt: „Es wird super!“

Auch andere Hoteliers und Gastronomen haben die Zwangspause des Shutdown für Umbauten oder Renovierungen genutzt, wenn auch in der Regel nicht in so großen Dimensionen wie die Sackmanns in Baiersbronn. Schließlich muss eine Investition wohlüberlegt und finanziert sein. Nichts also, was man in einer Krisensituation mal eben übers Knie bricht.

Das eigene Profil als ökologisch ausgerichteter Betrieb schärft etwa die Rose auf der schwäbischen Alb. Das Familienunternehmen Tress betreibt in Hayingen-Ehestetten das Biohotel Rose, einst das erste zertifizierte Biorestaurant und -hotel in Baden-Württemberg. Bereits 1950 beschloss Großvater Johannes Tress, seinen Hof nach Demeter-Grundsätzen zu betreiben. Aus dem landwirtschaftlichen Betrieb entwickelte sich im Lauf der Zeit das nach eigenen Angaben größte Bio-Gastronomieunternehmen Süddeutschlands mit der Rose-Biomanufaktur als Suppenhersteller.

Tonerde-Putz für das Bio-Hotel auf der Alb

Nun wurden sechs Gästezimmer renoviert und zu Themenzimmern umgestaltet. Statt der früheren Tapeten setzte die Familie auf Wandputz aus reiner Tonerde des österreichischen Unternehmens Emoton. „Das Material besitzt aufgrund seiner Struktur fabelhafte Haftungseigenschaften und kommt so ohne künstliche Zusätze aus“, sagt Stuckateur Frank Sommer. Denn sonst enthalten selbst ökologische Wandbeschichtungen häufig etwas Silikon, damit der Putz besser haftet. Doch bereits geringe Mengen würden die Poren verschließen und so die raumklimatischen Eigenschaften des Putzes mindern: Er ist atmungsaktiv, reguliert durch seine poröse Struktur die Feuchtigkeit der Luft, bindet Schadstoffe und sorgt durch die Ionisation der Luft für einen Frischeeffekt.

Der Wandputz in dezentem Grau zieht sich als verbindendes Element durch alle sechs Themenzimmer, die ansonsten individuell gestaltet sind. Jedes einzelne beleuchtet etwas von der Geschichte und der verschiedenen Aktivitäten des Unternehmens. So zeigt im Themenzimmer, das von Daniel Tress eingerichtet wurde, eine großformatige Aufnahme über dem Bett einen stilvoll gedeckten Tisch. Und im Raum, der Küchenchef Simon Tress gewidmet ist, gehören Pfannen ebenso zur Wanddekoration wie eine Original-Kochjacke aus dem SWR-Fernsehstudio.kuh/beh